Krimineller Akt? Denkmal in Obergiesing zerstört

Es dauerte gerade einmal neun Minuten, berichten die Anwohner. Dann war das Haus Obere Grasstraße 1 in Obergiesing nur noch ein Trümmerhaufen. Trotz des beherzten Eingreifens der Nachbarn ist das Baudenkmal in der Feldmüllersiedlung seit vergangenem Freitag (1.09.) , 16:00 Uhr, Geschichte.

 

 

Reste eines Baudenkmals, Sonntag, 3.09.

Vorausgegangen war dem Abbruch ein regelrechter Krimi. Bereits am Donnerstag klaffte in der Fassade des denkmalgeschützten ehemaligen Handwerkerhauses plötzlich ein gewaltiges Loch. Aufmerksame Nachbarn stellten sich dem Abbruchbagger in den Weg und verlangten vom Fahrer umgehende Einsicht in die Abbruchgenehmigung. Nachdem der die offenbar nicht vorlegen konnte, riefen sie Polizei und Untere Denkmalschutzbehörde. Beide waren kurze Zeit später vor Ort. Der Abbruch musste sofort eingestellt, das bereits beschädigte Gebäude notdürftig gesichert werden.

Loch in der Fassade, Donnerstag, 31.08.

Am Freitag, so erzählen die Anwohner, ging dann alles rasend schnell. Kurz vor 16:00 Uhr war der Abbruchbagger erneut im Einsatz und arbeitete sich in Windeseile durch das Gebäude. Die Nachbarn konnten nur noch tatenlos zusehen, wie dieses Stück Münchner Geschichte (im Kern um 1840/45) binnen Minuten dem Erdboden gleichgemacht wurde. Gerüste und Schutt stürzten auf die weitgehend ungesicherte Straße. Die Bilder vom Geschehen zeigen massive Verwüstungen und lassen vermuten, dass auch eine Gefährdung von Menschen und Gebäuden in der Umgebung durch den hastigen Abriss zumindest in Kauf genommen wurde. Von beispielloser Rücksichtlosigkeit ist bei den Anwohnern die Rede. Als die erneut hinzugerufene Polizei und die Untere Denkmalschutzbehörde vor Ort waren, war von der Oberen Grasstraße 1 nur noch ein Haufen Schutt übrig.

Spur der Verwüstung, Freitag, 1.09.

Sollte sich bewahrheiten, dass das Denkmal ohne Genehmigung abgebrochen wurde, fordern die Altstadtfreunde die zuständigen Behörden auf, alle rechtlichen Mittel gegenüber den Verantwortlichen auszuschöpfen und das Vorgehen in aller Schärfe zu ahnden. Das Gebäude – Teil des geschützten Ensembles Feldmüllersiedlung – muss unter Einbeziehung aller noch vorhandenen Reste und historischen Materialien in seiner ursprünglichen Form und Erscheinung wiedererrichtet werden. Es darf sich keinesfalls rechnen, Rechtsbruch zu begehen und Denkmäler zu vernichten.

Auch die Obergiesinger erwarten von der Stadt entschiedenes Vorgehen gegen den oder die Verantwortlichen. „Kein Baurecht für Spekulanten!“, steht auf einem Schild. Und „Kriminell! Eine Schande für unser Giesing!“.  Seit Samstag haben sie bereits mehrere Hundert Unterschriften gesammelt.

Deutliche Botschaften am Bauzaun

Bildquellen: M.Seitz, Altstadtfreunde

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