Sailerstraße: Denkmalschutz versagt erneut

Als „Behördliches Trauerspiel“ hatte die Münchner Presse schon im vergangenen Jahr die Vorgänge rund um die drei abrissgefährdeten Gebäude in der Sailerstraße bezeichnet. Das Landesamt für Denkmalpflege hat diesem Trauerspiel nun noch ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

Die „intensive Untersuchung“ habe ergeben, so Generalkonservator Mathias Pfeil, „dass die drei Gebäude keine Baudenkmäler sind.“

Damit scheint das Schicksal der über 120 Jahre alten malerischen Häuserzeile besiegelt.

Die bereits begonnenen und zwischenzeitlich ausgesetzten Abrissarbeiten werden wohl wieder aufgenommen. Monatelang hatten Anwohner, Bürgerinitiativen (auch die neu gegründete BI „Sailerstraße – Stadgeschichte erhalten“) und Stadtteilpolitiker vehement für einen Schutz gekämpft. Auch im Landtag erfuhren die Befürworter eines Erhalts deutlichen Rückenwind. Trotzdem: Erneut droht ein wichtiges, identitätsstiftendes Stück München in Kürze zu verschwinden. Erneut mit behördlichem Segen!!

Die Gebäude jetzt unter Schutz zu stellen, hätte das Eingeständnis eines vorherigen Versäumnisses bedeutet. Dafür fehlte den Beteiligten offensichtlich der Mut. Mit einem Abriss der Sailerstraße scheint nun auch die Phase der gegenseitigen Schuldzuweisungen vorbei: Über Monate hatten Landesamt für Denkmalpflege und Untere Denkmalschutzbehörde (LBK) den Schwarzen Peter hin- und hergeschoben. Am Ende versagen beide. Wieder einmal.

Der drohende Verlust der Sailerstraße wirft abermals grundsätzliche Fragen zum Stellenwert des Denkmalschutzes in München auf. Die Liste der vom Landesamt als nicht schutzwürdig eingestuften Gebäude wird länger und länger und macht den Weg frei für die Abrissbirne. Selbst die Alte Akademie, der Englische Garten oder den Nordflügel von Schloss Nymphenburg sind heute keine Tabus mehr. Gleichzeitig nutzen die lokalen Behörden in München ihre Möglichkeiten zum Schutz bedrohter historischer Gebäude und Ensembles nicht: Schon lange fordern Vereine und Initiativen städtebauliche Erhaltungssatzungen für die Landeshauptstadt. Keine einzige wurde vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung bislang auf den Weg gebracht. Es steht also zu befürchten: Das behördliche Trauerspiel geht weiter.

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