Alte Akademie – Stadtrat muss hart bleiben!

Die Alte Akademie hat eine lange Geschichte – aber wir bleiben hier bei den neuesten Ereignissen, denn es brennt!

In diesem Frühjahr wird, so ist es angekündigt, der Münchner Stadtrat darüber zu entscheiden haben, in welcher Form der Immobilienkonzern SIGNA die Alte Akademie umbauen darf. Es wäre eine vollständige Umnutzung im Inneren und auch das Äußere würde massiv verändert. Darüber verhandelt derzeit das Referat für Stadtplanung und Bauordnung mit dem drängenden Bauherrn – nichtöffentlich. Zum Brennpunkt ist ein Teil der Gebäude geworden: die Arkaden um das Hettlage-Kaufhaus und im Kopfbau der Alten Akademie. SIGNA beansprucht (rein aus Gründen der kommerziellen Verwertung), dass von diesen Arkaden zur Erweiterung der Verkaufsfläche nur ein kleiner Streifen übrig bleibe. Mitte Januar berichtete die Presse, dass die Fronten verhärtet sind:
„Stadtbaurätin Elisabeth Merk will keine weiteren Zugeständnisse an den Investor, die Signa-Unternehmensgruppe, machen. Es gibt aber auch Stimmen aus dem Stadtrat, die diese Haltung kritisieren und eine flexiblere Haltung der Stadtbaurätin fordern. Öffentlich äußern will sich seitens der Politik und der Verwaltung dazu niemand.“ Unterstützung gibt es von dem alten und dem neuen Heimatpfleger, von Gert Goergens und Bernhard Landbrecht.

Es gibt für die Stadt drei zwingende Gründe, die bei den Arkaden kein Zugeständnis zulassen:

Denkmalschutz

Der Gebäudekomplex Alte Akademie ist als Einzeldenkmal in der Denkmalliste ausgewiesen und unterliegt dem Bayr. Denkmalschutzgesetz:
„Art. 6 Maßnahmen an Baudenkmälern
Absatz 1
Wer 1. Baudenkmäler beseitigen, verändern oder an einen anderen Ort verbringen oder 2. geschützte Ausstattungsstücke beseitigen, verändern, an einen anderen Ort verbringen oder aus einem Baudenkmal entfernen will, bedarf der Erlaubnis.
… Die Erlaubnis kann im Fall des Abs. 1 Satz 1 Nrn. 1 und 2 versagt werden, soweit gewichtige Gründe des Denkmalschutzes für die unveränderte Beibehaltung des bisherigen Zustands sprechen. Im Fall des Absatzes 1 Satz 2 kann die Erlaubnis versagt werden, soweit das Vorhaben zu einer Beeinträchtigung des Wesens, des überlieferten Erscheinungsbilds oder der künstlerischen Wirkung eines Baudenkmals führen würde und gewichtige Gründe des Denkmalschutzes für die unveränderte Beibehaltung des bisherigen Zustands sprechen.“
SIGNA hat keine besonderen Rechte. Eine Erlaubnis zum Zubauen der Arkaden verbietet sich durch gewichtige Gründe des Denkmalschutzes. Da ist keine „Flexibilität“ irgendwo zu begründen. Daneben verlangt das Gesetz in Artikel 5, dass Baudenkmäler möglichst entsprechend ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung genutzt werden sollen – was dem Gesamtkonzept der Umnutzung durch SIGNA widerspricht.

Ensembleschutz

Die Münchner Altstadt wird seit 1983 in der Denkmalliste als Ensemble geführt. Dieser Ensembleschutz soll den Charakter der Altstadt bewahren. Konsequent angewendet wurde dieses Werkzeug leider nicht und manches Rest-Fassadenskelett und Abrisse ganzer Häuser mussten hingenommen werden.
2015 hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung die „Altstadtleitlinien“ vorgelegt, erarbeitet vom damaligen Heimatpfleger Gert Goergens. Sie sind rechtlich nicht verbindlich, aber sie wurden vom Stadtrat begrüßt als Leitlinie, die signalisiert, dass mehr getan werden soll, um das Bild der Altstadt zu bewahren. Darin heißt es über die Arkaden:
„Münchens Altstadt verfügt über keine konsequent durchgängig angeordneten Arkadensysteme. In der Wiederaufbauphase wurden allerdings in unterschiedlichen Teilbereichen der Altstadt – dort, wo es durch Neubaumaßnahmen möglich war – Arkaden errichtet, um für Fußgänger attraktiven, sicheren Bewegungsraum zu schaffen. Diese bis heute überlieferten Arkadenbereiche sind öffentlich gewidmet und bilden eine willkommene Aufweitung und Bereicherung des öffentlichen Raumes, Schutz vor Regen und Sonne und abwechselnde Raumerlebnisse. Eine Umwandlung von Arkadenflächen in Verkaufs- oder Gewerbeflächen konnte bisher in aller Regel vermieden werden. Der kommerzielle Druck ist inzwischen jedoch erheblich gestiegen. Die Erhaltung der Arkadenflächen in der überlieferten Form ist deshalb ein wichtiges Ziel des Ensembleschutzes.“

Planungsrechtliche Sicherung

Ob man es „ausgraben“ nennen soll, wenn das Folgende Fakt ist? Die städtische Verwaltung müßte von Amtes wegen die Akten zur Hand haben… Klaus Bäumler vom Münchner Forum greift in der neuen Ausgabe der Standpunkte zurück bis auf 1801 und Minister Montegelas als gutes Beispiel. Auch in der Nachkriegszeit wußte man, dass Arkaden geschützt werden müssen:
„Im Jahr 1801 hat die damalige staatliche Aufsichtsbehörde die vom Magistrat bereits gebilligte Beseitigung der Arkaden am Marienplatz und damit eine Reduzierung des öffentlichen Raums im Interesse der Bürgerschaft erfolgreich verhindert. Hieran muss sich die heute zuständige Aufsichtsbehörde, die Regierung von Oberbayern, messen lassen, zumal sie selbst 1957 die immer noch verbindliche Baulinie Nr. 5736 zur planungsrechtlichen Sicherung der Arkaden der Alten Akademie festgesetzt hat (rechtskräftige Regierungsentschließung vom 6. Sept. 1957 Nr. IV/5 – 13369 N 5).“
Demnach gibt es sogar eine festgeschriebene öffentliche Widmung der Arkaden der Alten Akademie!

Was braucht es noch mehr für eine sichere und klare Haltung zu dieser Bauanfrage? Würde SIGNA stattgegeben, was wäre dann der Denkmalschutz in der Münchner Altstadt noch wert? Es wären Tür und Tor wieder weit geöffnet und wir alle wissen, wie Investoren hier hineindrängen und wie gefährdet unsere Altstadt ist und wie sie sich schon zum Nachteil verändert hat, so dass viele Münchnerinnen und Münchner sie bereits meiden!

Weitere Informationen gibt es auch auf der Webseite www.alte-akademie.live der Aktion gegen den faulen Zauber.

Die Arkaden der Alten Akademie

Die Arkaden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: Entwurfszeichnung von Prof. Josef Wiedemann für die 1954 fertiggestellten Arkaden.
Die Arkaden, abgebildet in der Broschüre der „Altstadtleitlinien“.

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