Tierklinik: Spaenle soll abreißen dürfen

Gegen die Stimmen von SPD, Freien Wählern und Grünen hat die CSU-Mehrheit im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag einen Schutz der denkmalwürdigen Gebäude der Tierklinik am Englischen Garten abgelehnt. Der Vorschlag der Opposition im Bayerischen Landtag, einem Kompromiss zuzustimmen, wurde nicht angenommen.

Die Abgeordneten der Union folgten damit in der heutigen Sitzung (08.11.2016) einer Empfehlung ihres Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle, der auf einen Abriss der Gebäude am Eingang zum Englischen Garten hinwirkt. Damit ist neben dem schützenswerten Gebäudeensemble der 1950er Jahre auch der historische Mittelbau mit seinem imposanten Jugendstiltreppenhaus wieder vom Abriss bedroht.
Zuletzt hatte Dr. Ludwig Spaenle, selbst Bauherr des auf dem Gelände der Tierklinik geplanten „Campus Königinstraße“, nach anhaltenden Protesten aus Bürger- und Expertenkreisen bekanntgegeben, zumindest den markanten Bibliotheksbau der 1950er Jahre zu erhalten. Zu weiteren Zugeständnissen war der Minister jedoch nicht bereit. Mehrere Gesprächsangebote, in denen ihm Lösungsvorschläge unterbreitet werden sollten, die sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes als auch denen an die künftige Nutzung des Geländes durch die LMU gerecht werden, hatte der Minister wiederholt ausgeschlagen. Das ihm unterstellte Landesamt für Denkmalpflege hatte dem historischen Ensemble der Tierklinik einen Eintrag in die Denkmalliste verweigert – gegen die einhellige Meinung namhafter Experten, deren umfangreiche Stellungnahmen dem Landtag von den Altstadtfreunden zur Verfügung gestellt worden waren.
Für die Altstadtfreunde ist die Entscheidung der CSU im Bayerischen Landtag ein fatales Signal für den Denkmalschutz in Bayern. Sie hatten wiederholt gefordert, dass Dr. Ludwig Spaenle seiner Verantwortung gerecht wird und der Freistaat Bayern mit gutem Beispiel vorangeht: „Wenn selbst der Minister für Denkmalschutz direkt am Englischen Garten mit der Abrissbirne durch Jugendstiltreppenhäuser fegt, kann von einem glaubhaften Eintreten für das bauliche Erbe in Bayern keine Rede mehr sein“, so die Altstadtfreunde. „Damit werde es künftig wohl noch schwieriger, private Bauherren oder Investoren von Sinn und Notwendigkeit des Denkmalschutzes zu überzeugen.“
Weitgehende Einigkeit schien unter den Abgeordneten zu herrschen, dass die geplanten neun Neubau-Blocks am und im Englischen Garten kein überzeugendes architektonisches Konzept darstellen und der Besonderheit des Ortes nicht gerecht werden. Der Wettbewerb zur Neugestaltung habe es auch versäumt, den Denkmalschutz von Anfang an angemessen zu berücksichtigen und entsprechende Anforderungen an die Wettbewerbsteilnehmer zu formulieren. Hier sei in einer frühen Phase der entscheidende Fehler passiert. Uneinigkeit herrschte lediglich hinsichtlich der Schuldfrage: Referat für Stadtplanung und Bauordnung oder Kultusministerium, Stadt oder Freistaat – wer trägt die Verantwortung für das folgenreiche Versäumnis? Noch vor der eigentlichen Realisierung des umstrittenen Projektes „will es wieder keiner gewesen sein“, bemerkte eine Besucherin der Ausschusssitzung.
Die Vertreter der Unionsfraktion sehen aber trotz des Zeithorizonts von 15-20 Jahren für die Realisierung der Neubauten keine Möglichkeit mehr, die Fehler aus der Wettbewerbsphase zu korrigieren. Eine Änderung sei der Physikalischen Fakultät, dem künftigen Nutzer, „nicht zumutbar“ – auch wenn für die Realisierung der Gesamtmaßnahme ein Zeitrahmen von 15-20 Jahren vorgesehen ist.
Der Ausschussvorsitzende, Prof. Michael Piazolo (FW) bemerkte, auch er wünsche sich ideale Bedingungen für die Studierenden. Er gab aber gleichzeitig zu bedenken, man dürfe „Denkmalwürdigkeit nicht einfach dem Nutzen opfern“. Wiederholt setzte auch er sich für einen Kompromiss ein. Die Abgeordnete Isabell Zacharias (SPD) sprach beim Erhalt des Bibliotheksbaus von einem „Kleinsterfolg“, der erzielt worden sei und erinnerte nochmals an die vorgelegten Gutachten und Stellungnahmen namhafter Experten, die sich klar für einen Schutz großer Teile der Bestandsbauten der Tierklinik ausgesprochen hatten.
Die Altstadtfreunde appellieren auch weiterhin an den zuständigen Minister Dr. Ludwig Spaenle, dem klar formulierten Wunsch der Münchnerinnen und Münchner (Bürgerversammlung am 22. Oktober 2015) und den Forderungen aus der Fachwelt zu entsprechen und die schützenswerten Teile der historischen Gebäude zu erhalten.

„Nachdem sich die geplanten Baumaßnahmen über einen langen Zeitraum ziehen, ist noch genügend Gelegenheit für Nachbesserungen und kreative Lösungen im Interesse aller“, so die Altstadtfreunde.
Unabhängig davon prüfen sie nun weitere Schritte zum Erhalt der schutzwürdigen Gebäude.

Kommentare sind geschlossen.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen