Klopf, Klopf. Kommt da noch Dämmung drauf?

Spannende Einblicke in einen außergewöhnlichen Neubau

Es sind nur noch ein paar Wochen, dann fallen in Haidhausen die Gerüste: Endspurt auf der Baustelle der „Casa Don Bosco“ an der Auerfeldstraße. Voraussichtlich schon im September wird sich das „Haus für Kinder“ nach nur 16 Monaten Bauzeit mit Leben füllen. Jetzt hat Architekt Helm Andreas Heigl im Rahmen einer Vorbesichtigung die Idee und das Konzept des Neubaus vorgestellt. Die Vorfreude auf die baldige Fertigstellung war dabei nicht nur ihm deutlich anzumerken.

Ein Haus, viele Nutzungen

Mit der „Casa Don Bosco“ wird der bestehende Gebäudekomplex des Salesianums um über 6.000 Quadratmeter Nutzfläche erweitert. Eine Kinderkrippe, ein Kindergarten, ein Hort und ein Elterncafé ziehen ein, dazu kommen 15 Wohnungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – WGs ebenso wie Einzelappartements mit moderaten Mieten. Auch Unterrichtsräume für die Oberstufe des Dr.-Florian-Überreiter-Gymnasiums finden in dem Neubau Platz. Aufgabe der Architekten in der Arbeitsgemeinschaft CDB Studio di Monaco und Büro Beckert war es dabei nicht nur, unterschiedlichste Funktionen und Nutzungen unter einem Dach zu vereinen, sondern ein Gebäude nach den aktuellsten Standards zu entwickeln, das über Jahrzehnte auf wechselnde Anforderungen flexibel reagieren kann.

Ruine der Südfassade 1945

Ruine der Südfassade 1945

 

Ein Gelände mit langer Tradition

Die Lage des Neubaus ist prominent: Schon seit 1860 stand auf dem Gelände -damals weit vor den Toren der Stadt gelegen- ein mehrflügeliger, neoromanischer Gebäudekomplex. Ursprünglich als Heilanstalt erbaut, wird die Anlage seit 1919 von den Salesianern Don Boscos genutzt, die sich ganz im Sinne ihres Namensgebers zum Ziel gesetzt haben, Kinder und Jugendliche ganzheitlich zu begleiten, zu fördern und zu bilden. Im zweiten Weltkrieg wurde die beeindruckende Anlage in weiten Teilen zerstört. Auch das prägende Hauptgebäude hin zur Auerfeldstraße fiel den Bomben zum Opfer. Die Ruinen wurden abgeräumt, nur ein kleiner Seitenflügel an der Ostseite hat sich bis heute erhalten. In den nachfolgenden Jahrzehnten entstanden etappenweise mehrere, dem jeweiligen Zeitgeschmack folgende Neubauten. Die ursprüngliche Geschlossenheit der ansprechenden Gesamtanlage ging dabei weitgehend verloren.

Traditionell gemauert: Bögen in der Südfassade

Traditionell gemauert: Bögen in der Südfassade

 

Kontextuelles Bauen

Die Arbeit am Neubau der „Casa Don Bosco“ führte die Architekten zunächst in die Archive. Im Rahmen umfangreicher Recherchen wurden zahlreiche Aufnahmen und Pläne der historischen Anlage gesichtet, bewertet und dokumentiert. Ziel dabei war es, so Helm Andreas Heigl, Inspiration aus dem Vorgängerbau zu ziehen und für diesen identitätsstiftenden Bau in die Zukunft zu übersetzen. Der kontextuelle Ansatz, die intensive Beschäftigung mit dem Ort und der Umgebung, sollte die Grundlage für einen Neubau bilden, der in echten Dialog mit dem Viertel tritt. Entstanden ist ein Bauwerk, dessen Fassade Elemente des ehemaligen Bestandes aufnimmt und damit an die neoromanische Bebauung erinnert. Hinter drei markanten Bögen findet sich der „Werk- und Wirkraum“ des neuen Kinderhauses, ein „Schaufenster zur Stadt, in dem die Kinder ihre Werke zeigen“, so der Architekt, dessen erklärtes Ziel „ein unverwechselbares Ensemble, die harmonische Einfügung in die Umgebung und der breite Konsens mit den Bürgerinnen und Bürgern des Viertels“ ist.
Über mangelnden Zuspruch durch die Münchnerinnern und Münchner können die Bauherren und Architekten schon jetzt nicht klagen. Bereits vor Baubeginn warb Bezirkschefin Adelheid Dietz-Will für den Entwurf und brachte mit „Den Leuten gefällt´s“ die Unterstützung aus dem Viertel ganz direkt und unverschnörkelt auf den Punkt.

Gemauerte Gestaltungselemente an der Südfassade

Gemauerte Gestaltungselemente an der Südfassade

 

Nicht teurer als ein herkömmlicher Neubau

Die „Casa Don Bosco“ war von Beginn an ein mutiges Vorhaben. Sie ist als Niedrigenergiehaus mit unterdurchschnittlichen Unterhaltskosten und überdurchschnittlicher Lebensdauer konzipiert. Das Gebäude ist ein Massivbau, „ökologisch ambitioniert und preiswert“, wie der Architekt betont. „Die Schönheit liegt wieder im Rohbau, Kosten für teure Verkleidungen entfallen und die Klimatechnik kann weniger aufwendig ausfallen, das ist günstig auch im Betrieb“, sagt er. Die Baukosten lägen deshalb „unter den Kostenkennwerten für Vergleichsobjekte“, möglich gemacht „durch die Anwendung innovativer Produkte aus dem Bereich traditioneller Baustoffe“. In enger Zusammenarbeit mit dem Porenbetonhersteller Xella und der alteingesessenen Münchner Baufirma Renner haben die Architekten eine Bauweise entwickelt, die es nicht nur ermöglicht, „Bögen wieder statisch wirksam traditionell zu mauern“, sondern auch die „über die gesamte Baugeschichte üblichen dekorativen Elemente, wie Simse oder Lisenen, sehr effizient, kostengünstig und dauerhaft einzusetzen“. Es bestehe sogar „für künftige Baukünstler die Möglichkeit, diese Gestaltungselemente ästhetisch weiterzuentwickeln“.

Was all das konkret bedeutet, konnten die Teilnehmer der Baustellenbesichtigung direkt am Objekt erfahren: Vergeblich suchten sie die „Casa Don Bosco“ nach einer dicken, hohlklingenden Außendämmung in Styropor ab.
Klopf, Klopf.

Zurückhaltendere Fassaden am Übergang zum Bestand: Das Rückgebäude

Zurückhaltendere Fassaden am Übergang zum Bestand: Das Rückgebäude

© Alle Aufnahmen Quelle: Studio Di Monaco

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