Muss das Schwammerl wirklich weg?

Neue Kritik am geplanten Hauptbahnhof

Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle und Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel haben die Neubauplanungen für den Hauptbahnhof in deutlichen Worten kritisiert. Sie vertreten damit nicht nur die Einschätzung des Landesdenkmalrates, sondern geben auch den Münchnerinnen und Münchnern eine Stimme, die sich eine überzeugendere Lösung für ihren Bahnhof wünschen.

Der geplante Turm am Starnberger Flügelbahnhof stört Münchens Altstadtsilhouette erheblich. Der 75-Meter-Bau mit bislang ungeklärter Nutzung lässt die nötige Maßstäblichkeit und einen Bezug zur (teils denkmalgeschützten) Umgebung vermissen. Er nimmt außerdem keine Rücksicht auf den bestehenden Starnberger Flügelbahnhof, ein Bauwerk, das völlig zu Recht in der Denkmalliste geführt ist und entsprechenden Schutz verdient.

Mit seiner Frage, ob die „stadtgeschichtlich so prägende Fassade“ des aktuellen Hauptbahnhofes „tatsächlich weg muss“, stößt Kunstminister Dr. Spaenle eine wichtige Grundsatzdiskussion an: Ist der gewaltige Milliarden-Neubau mit seinen üppig bemessenen Büro-, Hotel- und Gewerbeflächen am Rande der sensiblen Altstadt wirklich alternativlos? Muss das „Schwammerl“, dieses unverwechselbare Vordach am Hauptportal, tatsächlich einem schon als „Shoppingmall mit Gleisanschluss“ verspotteten Giganten aus Glas und Stahl weichen, der so auch in einem Vorort von Chongqing stehen könnte? Oder schafft München eine individuellere, auch ökologisch überzeugendere Lösung, indem es einen der „bekanntesten Gebäudekomplexe der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus“ (Dr. Ludwig Spaenle) erhält, ordentlich herausputzt und kreativ weiterentwickelt?

Wiederholt hatten die Altstadtfreunde eine ergebnisoffene Diskussion um das Jahrhundertprojekt Hauptbahnhof gefordert. Die Öffentlichkeitsarbeit von Stadt und Bahn konnte bislang nicht überzeugen. Eine angemessene Beteiligung der Bürgerinnen und Bürgern fand auch nach der heftig umstrittenen Informationsveranstaltung im Oktober 2015 nicht statt. Zuletzt ließ die Bahn gleich mehrfach konkrete Angebote für einen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern unbeantwortet.

Die Initiative von Herrn Staatsminister Dr. Spaenle und Herrn Staatsminister a.D. Goppel liefert jetzt hoffentlich die nötigen Impulse für eine ehrliche Diskussion und eine bessere Lösung für Münchens Hauptbahnhof.

Presseartikel:
Münchner Merkur vom 20.01.2016: Hauptbahnhof-Umbau – Hochausplan sorgt für Ärger

TZ vom 20.01.2016: Kritik an Neubauplänen für den Hauptbahnhof

Abendzeitung vom 20.01.2016: Nach Kritik am Hbf-Neubau – SPD über Spaenle – nicht gerade Großstädtisch

Abendzeitung vom 20.01.2016: Minister sieht Altstadtsilhouette in Gefahr – Neuer Hauptbahnhof: Hässliches Hochaus?

Süddeutsche vom 19.01.2016: Kritik am geplanten Hauptbahnhof-Turm

Süddeutsche vom 19.01.2016: Stadtheimatpfleger – Mahnend gegen die Moderne

 

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Foto: Quelle M(e)ister Eiskalt

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