Tierklinik: Mit gutem Beispiel vorangehen!

TierklinikTreppenhausMittelbau2
Kommentar zum AZ-Interview mit Generalkonservator Mathias Pfeil

Herr Generalkonservator Pfeil hat in dem ausführlichen Interview der Abendzeitung einige wichtige Impulse geliefert. Es wird jedoch nicht überraschen, dass die Altstadtfreunde gerade hinsichtlich der Tierklinik am Englischen Garten eine andere Position als der Generalkonservator vertreten.

Bislang haben es alle Beteiligten – auch das Landesamt für Denkmalpflege – versäumt, für dieses städtebaulich herausragende Gelände eine überzeugende Lösung zu entwickeln, die neben den Besonderheiten und der Historie des Ortes auch die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger respektiert. Herr Pfeil ist selbst ein wichtiger Akteur der Münchner Stadtgestaltungspolitik und Mitglied der Stadtgestaltungskommission, sein Landesamt war und ist eng in alle Prozesse eingebunden. Hat es wirklich sämtliche Mittel ausgeschöpft, um nicht nur die städtebaulich bedeutsame Tierklinik, sondern auch das betroffene Denkmal Englischer Garten angemessen zu schützen? Oder haben wir es abermals mit einem der Fälle von “Da konnten wir uns nicht durchsetzen” zu tun, mit denen Herr Pfeil offenbar so häufig konfrontiert ist?

Die historischen Bauwerke der Tierklinik sind intakt, wurden in weiten Teilen gerade aufwendig renoviert und werden noch über Jahre intensiv genutzt. Der Mittelbau mit seinem einmaligen Jugendstiltreppenhaus steht nicht einmal geplanten Neubauten im Weg, sondern soll lediglich einer zusätzlichen Freifläche weichen. Daher glauben wir an die Chance und auch die Notwendigkeit, die Gebäude zu erhalten. Es ist den Bürgerinnen und Bürgern nicht zu vermitteln, wenn öffentliche Entscheidungsträger unbeirrbar an Projekten festhalten, die schon vor der Realisierung mit derart gewichtigen und begründeten Zweifeln behaftet sind. Dass die Altstadtfreunde, die sich ausschließlich ehrenamtlich engagieren, vermeintlich spät als Kollisionswarner auftreten, darf man ihnen nicht anlasten. Zielführender wäre es, bisherige Prozesse kritisch zu hinterfragen, auch eigene Versäumnisse beim Namen zu nennen und dann gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Für die Zukunft gilt es, die Bürgerschaft grundsätzlich früher einzubinden und für mehr Transparenz von Beginn an zu sorgen.

Beim Gelände der Tierklinik stehen die Chancen gut, die bisherige Linie zu korrigieren: Wir haben es nicht mit einem anonymen, klagefreudigen Investor zu tun – Bauherr des Campus Königinstraße ist der Chef von Herrn Pfeil, Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle. Der Generalkonservator muss sich also nicht einmal besonders mutig oder kämpferisch geben, um seine Aussage glaubhaft zu untermauern, dass er vorrangig die Belange der Bürgerinnen und Bürger vertritt. Das Kultusministerium wird sicher ein offenes Ohr für ihn haben, wenn es darum geht, intakte, bestens nutzbare und stadtbildprägende Bausubstanz zu schützen, die den Münchnerinnen und Münchnern ans Herz gewachsen ist.

Für diesen Schutz ist eine Eintragung der Tierklinik in die Denkmalliste übrigens zweitrangig. Die Identität einer Stadt macht sich nicht nur an den Bauwerken fest, die unter Denkmalschutz stehen. In Bayern sind das, wie Herr Pfeil explizit hervorhebt, ohnehin nur 1,4 Prozent. Unabhängig davon, ob man als leidenschaftlicher Denkmalschützer den Erfolg seines Wirkens an einer möglichst niedrigen Anzahl geschützter Bauten festmachen möchte: Genügen anderthalb von hundert Puzzleteilen, um die Unverwechselbarkeit unserer Heimat in einer globalisierten Welt zu bewahren? Es ist wünschenswert, dass Herr Pfeil und seine Mitarbeiter künftig wieder verstärkt nach Gründen suchen, die für den Erhalt historischer Bausubstanz sprechen. Es fördert sicher auch die Akzeptanz des Denkmalschutzes, ihn weniger als Schreckgespenst für Eigentümer und Investoren zu propagieren, sondern verstärkt den Sinn und die Vorteile für alle herauszustellen. Bei der Tierklinik geht es auch um eine Vorbildfunktion des Freistaates und des Landesamtes. Wie soll man private Investoren für den Schutz des Stadtbildes und einzelner Gebäude begeistern, wenn man selbst derart prominente und weitgehend kostenneutrale Chancen nicht nutzt, um mit gutem Beispiel voranzugehen?

Zuletzt musste das Landesamt zunehmende, teils heftige Kritik aus der Bürgerschaft einstecken. Es ist sicherlich im Interesse aller, dass die Partnerschaft mit den Bürgerinnen und Bürgern endlich wieder reibungsloser funktioniert. Dafür braucht das Landesamt auch eine bessere personelle wie finanzielle Ausstattung und größeren Rückhalt durch den Gesetzgeber. Insofern wünschen wir Herrn Pfeil, dass sein Tiger künftig ordentliche Zähne bekommt und dann auch wieder häufiger zum Sprung ansetzt. Das klare Benennen von Fehlentwicklungen ist ein guter, aber nur erster Schritt.

Das Interview der Abendzeitung München vom 5.01.2016 finden Sie HIER
Quelle: Abendzeitung München

Kommentare sind geschlossen.