Gemeinsam Weichen stellen – Für echte und transparente Bürgerbeteiligung beim Hauptbahnhof

Schön, da sind sich alle einig, ist der aktuelle Zustand nicht. Der Hauptbahnhof wird seit Jahrzehnten vernachlässigt, begonnene Umbauten wurden nie zu Ende geführt, frische Farben und Flächen zum Wohlfühlen sucht man vergebens. Einladend sieht anders aus. Braucht München also einen milliardenschweren Neubau? Oder gibt es andere, bessere Lösungen?

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Der Hauptbahnhof Oktober 2015
© Altstadtfreunde München

 

Nach den Plänen von Bahn und Stadt sollen – bis auf die Gleishalle – alle bestehenden Gebäude abgerissen und durch ein wuchtiges „Terminal“ aus sieben oberirdischen und einem unterirdischen Geschoss ersetzt werden. Auch der denkmalgeschützte Starnberger Flügelbahnhof und bis zu 160 Jahre alte Teile des historischen Hauptbahnhofs stehen auf der Abbruchliste. Fünf Jahre Bauzeit sind ab 2020 angesetzt, die Kostenschätzungen für das Mammutprojekt mit seinen üppig bemessenen Büro-, Handels- und Hotelflächen belaufen sich bereits nach heutigen Schätzungen auf eine Milliarde Euro. Die Pläne sind – bis auf den hinzugekommenen 75 Meter hohen Turm an der Arnulfstraße – nicht neu: Bereits 2006 hatte das Architekturbüro Auer Weber den städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerb für sich entschieden. Knapp zehn Jahre später hat der Stadtrat beschlossen, das gigantische Vorhaben voranzutreiben. 2025 soll der dann fast zwanzig Jahre alte Entwurf in Glas, Stahl und Beton umgesetzt sein und die Umgebung weithin sichtbar beherrschen.

80.000 Euro hat der Stadtrat dem Planungsreferat allein für Öffentlichkeitsarbeit rund um zweite Stammstrecke und Hauptbahnhof bewilligt. „Von der Qualität der Öffentlichkeitsarbeit wird es…abhängen, ob es gelingt, Zustimmung bei den Bürgerinnen und Bürgern zu erreichen“, sagt das Referat. Eine Investition in echte Beteiligung an diesem Jahrhundertprojekt? Oder ein Werbebudget? „Die Münchner Bürgerinnen und Bürger erhalten Gelegenheit, sich zu den Plänen zu äußern“, heißt es in einer knappen Pressemitteilung des Referats aus dem April 2015. Bedeutet „sich äußern“ auch „wirklich mitreden“?

Im städtischen Faltblatt „Der neue Hauptbahnhof und seine Vorplätze – Eine Chance für München“ wird der Entwurf von Auer Weber aufwendig inszeniert. Die gezeigten Bilder kennen realistische Darstellungen allerdings ebenso wenig wie Oberleitungen der MVG. Wo sich eigentlich zehn Trambahnlinien treffen, sitzen Menschen in der Sonne. Es muss die Morgensonne sein, denn am Nachmittag würde dieser Bereich vermutlich vom Schatten der geplanten sieben Stockwerke und der über den Platz ragenden „Sky-Lounge“ des Bahnhofs verdunkelt. An sich eher düstere Glasflächen am Gebäude sind trickreich aufgehellt

Das Planungsreferat lädt in seinem Faltblatt dazu ein, sich an der „öffentlichen Debatte um die besten Lösungsvorschläge zur Gestaltung der Vorplätze am Hauptbahnhof zu beteiligen“. Der geplante Neubau hingegen scheint längst beschlossene Sache zu sein. Wollen die Bürgerinnen und Bürger beim wohl bedeutendsten Bauprojekt der Stadt tatsächlich nur über Details wie Sitzgelegenheiten und Pflasterung reden? Ein Trostpflaster?

Es gibt weit wichtigere, bislang unbeantwortete Fragen – einige sind so alt wie der Entwurf zum Neubau selbst. Die entscheidende wird sein, ob das geplante Milliardenprojekt in dieser Form wirklich sinnvoll und alternativlos ist. Unter dem Motto „Gemeinsam Weichen stellen“ fordern die Altstadtfreunde daher Bahn und Stadt auf, die Diskussion um das Jahrhundertprojekt Hauptbahnhof ehrlich und ergebnisoffen zu führen und uns Münchnerinnen und Münchner glaubhaft zu beteiligen.

Hauptbahnhof Eingang Foto Oktober 2015

Hauptbahnhof Eingang Foto Oktober 2015

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