Heinrich Mann Haus – Denkmalschutz?

Altstadtfreunde liefern neue Erkenntnisse zum Heinrich Mann-Haus

In einem Schreiben an die Altstadtfreunde vom 28. Juli stellt das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zum Doppelmietshaus Leopoldstr. 59/61 fest: „Das Gebäude erfüllt…nicht die Voraussetzungen des Art.1 Abs.1 und 2 Bayerisches Denkmalschutzgesetz. Es handelt sich nicht um ein Baudenkmal und es erfolgt kein Eintrag in die Denkmalliste“.

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Gedenktafel an der Leopoldstraße 59 an Heinrich Mann

Die Argumentation des Ministeriums stützt sich auf eine Stellungnahme des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, in die auch Eindrücke einer Besichtigung des Gebäudes im Juni eingeflossen sind. Diese Eindrücke spiegeln nach Ansicht der Altstadtfreunde jedoch nicht den aktuellen Kenntnisstand wider. Die dem Ministerium vorliegenden Informationen bedürfen, so die Altstadtfreunde, einer umfangreicheren Neubewertung oder auch Korrektur. Darauf hat die Initiative jetzt in einem neuerlichen Schreiben an Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle aufmerksam gemacht.

Gleichzeitig wiesen die Altstadtfreunde auf eigene Recherchen und Erkenntnisse zum Heinrich Mann-Haus hin, das nicht nur wegen seiner kulturhistorischen Bedeutung ein unverzichtbares Stück München darstellt. Kurz nach der Eingemeindung Schwabings wurde es buchstäblich auf die grüne Wiese gestellt. Es fällt in die frühe Anfangszeit der gründerzeitlichen Erweiterung Schwabings westlich der Leopoldstraße. Das Haus ist eines der ältesten Zeugnisse dieser Zeit und ein Grundbaustein der Münchner Freiheit wie wir sie heute kennen. Mit dem direkt angrenzenden, denkmalgeschützten Haus Herzogstr. 1/1a bildet der Komplex eines der letzten erhaltenen Ensembles, die die Entwicklung der südlichen Leopoldstraße vom „Schwabinger Wegerl“ hin zum großstädtischen, pulsierenden Boulevard mit geprägt und Schwabings Ruf als Bohème-Viertel mit begründet haben.

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Schwabing, Leopoldstraße 59

Mit ihren Erkenntnissen möchten die Altstadtfreunde ein zutreffenderes und präziseres Bild des Gebäudes ermöglichen. Die Informationen sind das Ergebnis zahlreicher Gespräche und umfangreicher Recherchen in den Archiven aber auch vor Ort.

So hatten die Altstadtfreunde – im Gegensatz zur offiziellen Besichtigung, die sich nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege auf die Räumlichkeiten der im Haus ansässigen Bankfiliale beschränken musste – die Gelegenheit, weite Teile der darüber liegenden Wohngeschosse zu erkunden. Dabei hat sich beispielsweise gezeigt, dass Grundrisse – anders als dargestellt – nicht vollständig verändert wurden und sich eben doch originale Ausstattungen erhalten haben.

Auch die Zusammenarbeit mit externen Sachverständigen wie dem renommierten Luftschutzarchiv Kümmel (LaK) war überaus hilfreich, dank dessen Expertise schon vor einigen Wochen die Einschätzung des Eigentümers von einer „totalen Zerstörung im Krieg“ und eines Neubaus aus dem Jahr 1947 widerlegt werden konnte.

Keine Berücksichtigung fand in der Beurteilung der Denkmalwürdigkeit bislang die Bedeutung der Malschule „Die Form“ von Hein König, die von 1925 bis etwa 1970 in dem (bis heute erhaltenen) Atelier in der Leopoldstr. 61 existierte. Die Erkenntnisse zu deren Geschichte und deren Bezug zu Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ konnten die Altstadtfreunde aber auch erst Anfang Juli den entsprechenden Fachstellen zur Verfügung stellen.

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