Offener Brief der Altstadtfreunde an OB Reiter und SbR Merk

Offener Brief zur Umgestaltung des Gebäudeensembles Kardinal-Faulhaber-, Pranner-, Salvatorstraße durch die Bayerische Hausbau
Mehr als eine Option: Rekonstruktion der Fassade Prannerstraße 4 muss verbindlich festgeschrieben werden!

 

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Reiter,
sehr geehrte Frau Stadtbaurätin Prof. Dr. (I) Merk,

es ist ein äußerst erfreuliches Signal: Sowohl die Bayerische Hausbau als auch die Stadt (vertreten durch Frau Stadtdirektorin Ritter) können sich im Zuge des Um- und Neubaus an der Prannerstraße eine Rekonstruktion der Fassade des Hiltl-Hauses gut vorstellen. Das haben beide auf der Informationsveranstaltung am 9. Oktober deutlich gemacht. Wir begrüßen diese grundsätzliche Bereitschaft sehr, denken allerdings auch, dass die Rekonstruktion der Fassade nicht nur als Option, sondern als ausdrückliches Ziel formuliert werden muss.
Die Prannerstraße macht besonders deutlich, wie wichtig an geeigneter Stelle die gelungene Rekonstruktion historischer Fassaden für unsere Stadt sein kann und wie dramatisch sich architektonische Fehlgriffe gerade in der Altstadt auswirken. Niemand stellt heute mehr die Bedeutung des Palais Neuhaus-Preysing in Frage. Auch wenn es von Erwin Schleich in veränderter Form und teils abweichender Materialität wieder aufgebaut wurde, bildet es gemeinsam mit seinen zahlreichen, ebenfalls denkmalgeschützten Nachbarn ein eindrucksvolles Ensemble, das nur von dem direkt anliegenden Block aus Fertigbetonteilen erheblich gestört wird. Dieser Bau wird jetzt beseitigt – bereits nach wenigen Jahrzehnten seines Bestehens. Er ist damit eines von zahlreichen gescheiterten Nachkriegs-Experimenten in der Altstadt, aus denen wir entsprechende Schlüsse ziehen müssen.

Mit dem Abriss der Prannerstraße 4 bietet sich jetzt die erste und gleichzeitig letzte Chance, die an dieser Stelle er-heblich gestörte Ansicht der Straße dauerhaft zu reparieren und etwas Nachhaltiges zu schaffen. Das kann in unseren Augen nur eine Rekonstruktion der klassizistischen Fassade des Hiltl-Hauses (einst Hausnummer 24) leisten – eines eleganten Palais, das nicht nur dank der Figurenfriese Ludwig von Schwanthalers einmalig in der Altstadt war. Für das deutlich niedrigere, ehemalige Nachbargebäude (angrenzend an die heutige Prannerstraße 6) regen wir eben-falls eine Fassade an, die sich zumindest in ihrer Grundgestaltung eng an den historischen Vorgängerbau anlehnt.

Die Entscheidung, die hier getroffen werden muss, ist nach derzeitigem Ermessen „für die Ewigkeit“: Der Neubau wird nach Fertigstellung voraussichtlich geteilt und an mehrere Eigentümer veräußert. Eine Gelegenheit wie jetzt, archi-tektonische Fehlentwicklungen zu korrigieren, wird es also wohl nicht mehr geben.

Das Hiltl-Haus hat bereits bewiesen, dass es dauerhaft und über Generationen hinweg überzeugen kann. Herr Dr. Büllesbach hat auf der Informations-veranstaltung selbst betont, dass eine Rekonstruktion der historischen Fassade sicher breiteste Zustimmung aus der Bevölkerung erfahren würde. Auch aus wirtschaftlicher Sicht, meinte er im Gespräch, wäre die Rekonstruktion für ihn eine überaus sinnvolle Investition. Nachdem also sowohl eine Mehrheit der Bürger als allem Bekunden nach auch der Investor selbst den Wiederaufbau der alten Fassaden befürworten, darf sich der kommende Realisierungswettbewerb diesem Konsens nicht entgegenstellen. Die Rekonstruktion der historischen Fassaden hin zur Prannerstraße muss für alle Teilnehmer verbindlich im Wettbewerb festgeschrieben werden.

Nachdem Sie, sehr geehrte Frau Prof. Dr. (I) Merk, die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in das konkrete Projekt noch vor Beginn des Realisierungswettbewerbs lobend hervorgehoben haben und Ihr Referat selbst Offenheit für die Rekonstruktion signalisiert hat, sind wir sehr zuversichtlich, unser Anliegen rechtzeitig und erfolgreich vorzubringen – auch wenn die Auswahl der Teilnehmer am Wettbewerb schon vor der Informationsveranstaltung abgeschlossen war und die Mitglieder des Preisgerichts ebenfalls bereits feststanden. Wir vertrauen auf das Versprechen, den Willen der Münchner Bürgerinnen und Bürger nicht nur zu hören, sondern auch zu respektieren.

 

Mit freundlichen Grüßen
Arnold Lemke
Altstadtfreunde München

Download des Briefes als pdf-Datei finden Sie hier

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