Leserbrief an die AZ und SZ

altstadtfreunde-muenchen

Hier der Leserbrief unseres Mitglieds Arnold Lemke:

Beim Neubau HBF wird eine große Chance vertan, am Bahnhofsplatz wieder die Maßstäbe zurechtzurücken, die den Charme des alten Platzes ausmachten. Hier ist auch ein historisches Zentrum – es ist nicht irgendein Platz.

Dieser Platz braucht eine Architektur und eine Aufenthaltsqualität, die seiner Bedeutung entspricht, mit räumlich-gestalterischen Qualitäten.

An dieser Stelle ist Stadtbaukunst angesagt, d.h. eine Architektur, die sich in den historischen Kontext einfügt und die ihm mit ihrer historisch–traditionellen oder neuen Baustruktur seine Identität zurückgibt.

München braucht weder eine „ Glaskiste“ vom neuen Vorschlag der Bahn, noch dieses überdimensionierte, maßstabsprengende, kalte, verglaste UFO der Architekten Auer und Weber.

Wichtig wäre, sich in Maßstab, Proportion und Gliederung an der Bebauung des alten „Bürkleinbahnhofs“ und der Umgebung (Kaufhaus, Postgebäude, histor. Fassaden Bayerstr. etc.) zu orientieren, um die geschichtliche Kontinuität evtl. auch in moderne Formensprache umzusetzen. Man schaue sich nur die fantastische Architektur mancher Bahnhofsfassaden in verschiedenen deutschen Städten (Frankfurt, Leipzig, Bremen etc.) bzw. auch im Ausland an. Bahnhöfe sind Kathedralen, Treffpunkte, Verkehsknotenpunkte und Symbole für die Stadt als Lebensbereich.

Der Bahnhofsvorplatz ist das Entree der Stadt und ein wichtiger Stadtraum, auch mit symbolischer Bedeutung. Der genius loci, der die Atmosphäre und Aura des Ortes (als unverwechselbarer Raum mit geschichtlichem Bezug) einfängt, ist zu berücksichtigen. Ein Raum, der die Besucher empfängt und einlädt, die Stadt zu entdecken.

Es ist deshalb wichtig, die gesamte Platzsituation neu zu ordnen und ihr ein fußgängerfreundliches, lebenswertes Ambiente auch mit Bäumen und Grün zu geben, möglichst viel Verkehr und Stellplätze auf die Seiten zu verteilen, den Durchgangsverkehr stark zu beschränken oder umzuleiten, den Menschen mit ihren Bedürfnissen nach Begegnung Platz zu bieten, um sie in die Mitte der Stadt aufzunehmen.

Arnold Lemke
Stadtbaugeschichte

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